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Dieser Weg findet riesigen Anklang
Eine der beliebtesten Ostschweizer Familienwanderungen führt durchs Toggenburg: Von der Alp Sellamatt oberhalb Alt St. Johann bis Wildhaus wandert sichs auf dem Klangweg so «irrsinnig sinnig», dass sogar Kinder einen Sinn im Wandern entdecken … Mit einem Bad im Schwendisee und einem Schlorziflade-Zvieri bietet dieser Familienausflug vielfältige Sinneserlebnisse.
Nachdem wir mit der Sesselbahn von Alt St. Johann bequem auf die Alp Selamatt hochgesessen sind, führt uns das braune Schild direkt auf den Klangweg. Und bevor es richtig losgeht, erklingt bereits eine kleine Melodie: Ein Vater sitzt mit einem Kind auf der «Melodiegampfi», wo eine Kugel über ein Xylophon rollt. Klingt zauberhaft!
Ein paar Gehminuten später steht eine ganze Schulklasse um zwei «Flipperkästen» versammelt. Die Lehrerin ermahnt ihre Zweitklässler: «Wir können nicht an jedem Gerät stundenlang stehenbleiben …» Doch «Flippern» ist beliebt – alle wollen die Stahlkugel an die Schellen und Glocken schlagen hören.
Auch bei der übernächsten Klangskulptur, der «Baumrätsche», sind die Ganterschwiler Schulkinder so fasziniert, dass ihre Lehrerin befiehlt: «Jeder darf maximal fünfmal am Baum rätschen.» Am Flötenzaun (oberstes Bild, nächste Seite) kann man Stahlrohren phantastische Obertöne entlocken. Und je mehr wir uns der «Glockenbühne» (Bild oben Mitte) nähern, desto mehr wähnen wir uns auf einer klangreichen frohen Älplerchilbi.
Zeitweise etwas «überlaufen»
Der «Klangweg Toggenburg» ist ein gemütlicher Panoramaweg. Wer richtig Bergwandern will, ist hier zu wenig gefordert. Und wer die Abgeschiedenheit sucht, ist hier nur an frühen Morgen- und Abendstunden am richtigen Ort. Denn der «Klangweg» mit seinen 24 Klangskulpturen ist mittlerweile so bekannt und beliebt, dass der Weg an manchen Tagen etwas «überlaufen» ist. Viele Familien und Schulklassen sind hier unterwegs. Kein Wunder: Der Weg bietet bis zu vier volle Stunden Sinneserlebnisse, das Wandern wird dabei zur Nebensache. Die verschiedenen Klangskulpturen wurden von verschiedenen Künstlern entwickelt. Eine der faszinierendsten Skulpturen ist die «Klangmühle»: Wer den Zylinder dreht, kann mit dem höhenverstellbaren Hänge-Bogen Musik machen. Und das Ganze spielt sich mitten in einer Alphütte ab.
Badehalt am Schwendisee
Nach rund zweieinhalb Stunden Wander- und Klangzeit haben wir vorläufig «genug gehört». Wir verlassen den Klangweg und zweigen beim entsprechenden Wegweiser hinunter zu den Schwendiseen ab. Hier befinden wir uns in einem Moorgebiet mit einer bemerkenswerten Artenvielfalt von nationaler Bedeutung. Die beiden Schwendiseen sind zwar offiziell keine Badeseen, doch hier lässt sichs herrlich abkühlen und schwimmen. «Das Wasser ist hier so weich!», bemerkt ein Einheimischer, nachdem er vom Holzsteg in den immerhin circa 20 Grad «warmen» Bergsee gesprungen ist und nun mit seiner Frau zum Floss schwimmt. Das Bad im Schwendisee bietet eine willkommene Abkühlung nach einer heissen Bergwanderung. Und rund um den See gibts idyllische Picknickplätze.
Schlorziflade – das schmeckt
Wen es nach einem Dessert gelüstet, dem sei hier die Einkehr in die nahe «Alpenrose» oder ins «Seegüetli» empfohlen, wo es eine typische Toggenburger Spezialität zu probieren gibt: Schlorziflade. Diesen flachen Kuchen mit dem aromatischen Belag aus pürierten Dörrbirnen und einem Rahmguss kann man kalt oder warm essen – da sind sich selbst Toggenburger nie ganz einig.
Nach dem Bad und der Stärkung nehmen wir nochmals «ein Ohr voll» Klangweg, um dann via Oberdorf hinunter nach Wildhaus zu wandern. Die rund dreieinhalb- bis vierstündige Tour hat offenbar auch bei den Zweitklässlern aus Ganterschwil «Anklang gefunden». Die Lehrerin musste die Schüler immer wieder ermahnen und bremsen: «nicht so schnell!». Klingt doch gut, oder?
■ Infos zum Ausflug
Anreise per öV:
Alt St. Johann als Startort ist bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Stündlich vom Rheintal aus (Buchs SG), halbstündlich aus Richtung Wil (Umstieg in Nesslau vom Zug ins Postauto).
Strecke:
Alt St. Johann–Sesselbahn Sellamatt–Iltios–Oberdorf–Wildhaus.
Charakter:
Leichte Wanderung, gut ausgeschildert, Wanderzeit inklusive Klangerfahrungen 3 bis 4 Stunden. Rollstuhlgängig.
Rast/Essen:
Diverse Feuerstellen und Restaurants am Weg.
Nicht verpassen:
Bad im herrlich «weichen», erfrischenden Moorwasser des Schwendisees.
Rückreise per öV:
Ab Wildhaus per Postauto ab Haltestelle Post oder Lisighus.
© 2011 Ueli Daepp.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung anzeiger | TAGBLATTMEDIEN
Datum: 20.07.2011 17:39




