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Klangwelt erforscht polyphonen Gesang Korsikas

Erstmals führte Klangwelt Toggenburg einen Kurs im Ausland durch. Eine Gruppe von 16 Teilnehmenden verbrachte eine Woche im Zentrum der mehrstimmigen Gesangskultur bei Pigna auf Korsika.

Sie heissen «Dumane mi ne muntagnu» oder «Se tu sapessi lu male». Die traditionellen korsischen Lieder handeln wie überall auf der Welt von Ungemach, Schmerz und Tod, vom Alltag, Zusammenleben und der Liebe. Auf die Kursteilnehmenden kam dennoch sehr viel Neues zu. Dabei war das Verständnis der Texte noch das Einfachste. Um die polyphonen korsischen Gesänge tiefgreifend zu verstehen, muss man sie singen, am besten gleich dort, von wo sie kommen, also auf Korsika. Klangwelt Toggenburg pflegt seit längerem Beziehungen zu Musikern aus Pigna, einem Zentrum der traditionellen, korsischen Gesangskultur.

Näher zur Polyphonie

Vor einem Jahr lud Klangwelt den Musiker Jean-Etienne Langianni ins Kurshotel Seegüetli nach Wildhaus, um Interessierten die korsische Polyphonie näher zu bringen. Aufgrund reger Nachfrage entschloss man sich, einen weiterführenden Singkurs auf Korsika anzubieten und damit erstmals ein Seminar im Ausland durchzuführen. Wiederum konnte man Jean-Etienne Langianni, für das Seminar gewinnen. Besuchern des Naturstimmenfestivals 2010 in Alt St. Johann ist Jean Etienne Langianni als Sänger des Quintetts A cumpania bekannt. Jean Etienne Langianni ist Solosänger und Komponist und reist als Vermittler von korsischen und mittelalterlichen Gesängen in ganz Europa herum. Er führte die Gruppe bereits am Abend des Ankunftstages in die Geheimnisse der polyphonen Hirtengesänge Korsikas ein.

Die Noten sind nur das Skelett

«Die Noten sind nur das Skelett der Musik», ist das Credo von Jean Etienne Langianni, «was dazukommt ist von uns und das kann man nicht aufschreiben.» Die traditionellen Gesänge seiner Insel sind seit Jahrhunderten nur über das Gehör vermittelt worden. Niemandem sei es in den Sinn gekommen, Text oder Noten aufzuschreiben. Und so hielt sich der Kursleiter während des fünftägigen, in französisch gehaltenen Singkurses mit Noten und Text auch ziemlich bedeckt. Die Teilnehmenden hatten die richtigen Töne selbst zu entdecken und die minimalistischen Notierungen zu interpretieren. Zum Vorteil der – teils ungeübten – Sängerinnen und Sänger, die nach einheitlicher Aussage tief und nachhaltig in die Gesänge eintauchten und mitunter die Unterrichtszeit aus purer Freude am Singen überzogen. Das Singen ist die Verlängerung des Körpers, ein «physisches Ereignis», fasste es Jean Etienne Langianni zusammen.

 

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Der erste Klangwelt-Kurs ausserhalb der Schweiz fand vergangene Woche im Couvent St. Dominique auf Korsika statt.


«Die Musik war faszinierend»
Elisabeth Benz aus Illnau zeigte sich kurz vor der Rückreise zufrieden über die Kurswoche: «Ich bin erfüllt von den Liedern und begeistert von diesem Ort. Auch freut es mich, dass wir in der Gruppe recht homogen waren und zusammengehalten haben.» Teilnehmer Willy Fischer aus Degersheim sagte: «Die Musik war faszinierend. Dieser Gesang hat mich gefesselt. Zudem erlebte ich einen kompetenten Kursleiter und eine wunderschöne Gegend.»

Reisevorbereiterin und -leiterin Doris Ammann meinte: «Ich glaube dieser Kurs hat es geschafft, die Polyphonie, die Kultur, die Kraft der Klänge annähernd ein wenig zu verstehen. Man hat viel gesungen, gelernt, gehört, hineingehorcht und gespürt. Dazu brauchte es aber die Verbindung zwischen dem wunderbar gelegen Ort des Klosters und zum Örtchen Pigna. Ich glaube, wer dies begriffen hat, dem hat es wunderbar gefallen.»


Text und Bild: Michael Hug. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung Verlag Toggenburger Tagblatt.

Datum: 18.05.2011 05:19

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Unter dem Namen „KlangWelt Toggenburg“ werden seit 2003 Aktivitäten und Angebote zusammengefasst, welche die wichtigsten Formen der Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten in der Ostschweiz vermitteln: den Naturjodel, den Alpsegen, die Schellen als Elemente der Alpkultur und das Hackbrett als naturtöniges Saiteninstrument in der Tanzmusik. Kennzeichnend für diese einzigartige, in der einheimischen Bevölkerung stark verwurzelte Klangkultur sind die untemperierten Naturtöne, welche überraschende Verbindungen zu anderen Musikkulturen in Europa, Afrika und Asien herstellen. Gerade solche Brückenschläge zwischen lokaler und fremder Kultur, aber auch die Spannungsverhältnisse zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Spiritualität und Alltäglichkeit, zwischen freiem Experiment und strenger Form machen die Lebendigkeit von KlangWelt Toggenburg aus. KlangWelt Toggenburg bietet vielfältige Erlebnisse zum Thema Klang in Klangkursen, auf dem Klangweg, bei Klangfestivals und Konzerten, mit Klangwellness, in der Klangschmiede und in ein paar Jahren auch im Klanghaus am Schwendisee.